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Liya Kebede for Vogue Germany December 2015 03 December 2015

Liya Kebede for Vogue Germany December 2015
by Giampaolo Sgura
styled by Christiane Arp
with hair by Franco Gobbi and make-up by Jessica Nedza
interviewed by Saskia Ibrom

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Die Botschafterin

Seit vier Uhr morgens ist sie wach, ist für die Louis-Vuitton-Schau auf der Paris Fashion Week gelaufen, jetzt steht Liya Kebede frisiert und geschminkt im zweiten Stock eines Studios im 14. Arrondissement. Der Hairstylist bedeutet ihr, dass ihre Haare mehr Volumen brauchen, sie
schüttelt die Mähne wild hin und her und ruft: „Wo bleibt die Musik!?“ Liya Kebede kennt ihren Job Den gibt es eigentlich nicht! Ich kümmere mich immer um das, gut, sie macht ihn schließlich seit Jahren. Und nicht nur diesen: was gerade am dringendsten ist. Das ist ein bisschen chaotisch, Das Model ist Gründerin einer eigenen Charity-Organisation, eines Modelabels für in Äthiopien gefertigte Kleidung und Accessoires, Schauspielerin (z. B. Wüstenblume und Heute bin ich Samba) und Mutter zweier Kinder, mit denen sie in New York lebt.

Entdeckt wurde die in Addis Abeba geborene Liya Kebede während der Schulzeit an einem französischen Gymnasium in ihrer Heimat. Sie zog nach Paris und feierte mit 22 Jahren ihren Durchbruch, als Tom Ford sie im Jahr 2000 für die Präsentation seiner Herbst/Winter-Kollektion für Gucci engagierte. Heute ist die mittlerweile 37-Jährige als Model immer noch sehr gefragt und findet trotzdem Zeit für ihre Projekte wie etwa die von ihr gegründete “Liya Kebede Foundation”.

Vogue: Vor etwa zehn Jahren haben Sie Ihre Stiftung gegründet, die Mütter in Afrika während der Schwangerschaft und bei der Geburt unter- stützt. Wie kam es zu diesem Engagement?

Liya Kebede: Nachdem meine eigenen Kinder geboren worden waren, ent- wickelte ich so etwas wie eine Leidenschaft dafür, anderen Müttern zu helfen. Ich bin 2005 zur WHO-Sonderbotschafterin ernannt worden. Zu der Zeit starben weltweit jedes Jahr immer noch mehr als eine halbe Million Mütter während der Schwan- gerschaft oder bei der Geburt. Ich fand das schockierend. In meinen sechs Jahren als WHO-Botschafterin habe ich versucht – und versuche es immer noch –, mit meiner Hilfsorganisation diesem unnötigen Sterben etwas entgegenzusetzen.

V: Wie sieht die Hilfe Ihrer Stiftung konkret aus?

LK: In Äthiopien haben wir eine Lücke in der medizinischen Versor- gung geschlossen, indem wir ein sogenanntes Mutterschaftszen- trum gegründet haben. Allein in den vergangenen vier Jahren konnten wir damit mehr als 7000 sichere Geburten ermöglichen.

V: Haben Sie bei all Ihren Tätigkeiten überhaupt Zeit, sich auch vor Ort ein Bild zu machen?

LK: Aber ja, ich bin zweimal im Jahr in Äthiopien, um von dort aus für die Foundation und mein Label Lemlem zu arbeiten, und na- türlich auch, um meine Familie zu sehen.

V:Die Modewelt und Ihre Arbeit für Ihre Stiftung scheinen auf den ersten Blick sehr gegensätzlich. Wie vereinbaren Sie das?

LK:Ich kann nur sagen, dass mich die Menschen in der Modebranche bei meiner Charity-Arbeit immer sehr unterstützt haben – von Anfang an. Das hat auch sehr geholfen, eine Balance zu finden.

V: Wie sieht denn ein typischer Tag im Leben der Liya Kebede aus?

LK: Den gibt es eigentlich nicht! Ich kümmere mich immer um das, was gerade am dringendsten ist. Das ist ein bisschen chaotisch, aber es gibt ein System im Chaos. Wenn ich wie jetzt in Paris bin, arbeite ich am Telefon, bin online, schreibe Mails. Ich laufe auf Schauen, sehe mir Schauen an und halte Meetings für mein Label Lemlem ab, das hier im Showroom gezeigt wird. Ich bin also immer gleichzeitig für viele verschiedene Dinge zuständig. Ich muss dann ein bisschen mehr schlafen, aber es geht.

V: Und was entspannt Sie?

LK: Ich versuche zu lesen, sehe viele Filme und TV-Serien an. Im Moment bin ich geradezu besessen von der britischen Serie The Game. Ich habe außerdem angefangen, How to Get Away with Murder zu schauen – Viola Davis spielt phantastisch!

V: Viola Davis hat in diesem Jahr als erste Afroamerikanerin einen Emmy als „Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie“ gewonnen. Sie wurden 2003 als erste farbige Frau zur Markenbotschafterin von Estée Lauder ernannt. Hat sich Ihrer Meinung nach etwas geändert?

LK: Was die Modebranche betrifft, liefen in den letzten eineinhalb Jahren viele neue Mädchen – großartig! In dieser Saison gab es sozusagen viel Farbe auf dem Laufsteg, worüber ich mich sehr freue. Meine Hoffnung ist jetzt, dass diese Entwicklung anhält, es sich nicht einfach um eine Phase oder einen Trend handelt und im nächsten Jahr dann wieder russische Mädchen das nächste große Ding sind.

V: In diesem Jahr gab es einige Aufregung über das Cover für die fran- zösische VOGUE mit Ihnen als erster farbiger Frau seit fünf Jahren. Nervt Sie so ein Trubel um die Hautfarbe?

LK: Es nervt mich nicht. Die Menschen erinnern einen daran, dass es sich immer noch um ein Novum handelt. Aber gleichzeitig wird ein Bewusstsein für das Thema geschaffen – was gut ist.

V: Sie sind nach 15 Jahren im Business immer noch relevant, posieren mit Karlie Kloss auf Instagram. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

LK: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es gibt eine Menge Menschen, mit denen ich gearbeitet habe und die mich immer unterstützt haben, wie zum Beispiel Tom Ford. Aber ich kann nicht genau sagen, woran es liegt, dass jemand als Model Erfolg hat oder überhaupt anfangen kann zu modeln. Man muss sicher auch ein bisschen Glück haben.

V: Sie sind Model, Mutter, Unternehmerin, Schauspielerin… Welche Leistung empfinden Sie als größten Erfolg?

LK: Oh, das kann ich nicht sagen. Noch nicht.

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