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Angela Lindvall Interviewed by Vogue Germany 06 August 2015

Angela Lindvall Interviewed by Vogue Germany with photos by Chris Chandler img_6844_v650x433 04. August 2015 Chanel, Prada, Louis Vuitton, Versace, Hermès… – die Liste an Labels, für die Angela Lindvall fotografiert wurde und auf dem Laufsteg lief könnte unendlich weitergeführt werden. Ende der 90er- und Anfang der 00er-Jahre zählte das „Mädchen aus Kansas City“ (so nennt sie sich selbst) zu den größten Supermodels der Welt. Heute nimmt sie noch immer ausgewählte Model-Jobs an, konzentriert sich aber hauptsächlich auf ihr Engagement für Nachhaltigkeit und einen „grünen“ Lebensstil – Dinge, die sie schon während ihrer Zeit als Model in New York für sich entdeckte, als in der Populärkultur noch niemand von Green Juices oder Yoga Retreats sprach. Letztere veranstaltet Lindvall seit diesem Jahr auf ihrer Farm in Topanga Canyon, dem ländlichen Hippie-Städtchen nördlich von Malibu. Was sie an Yoga so fasziniert, weshalb Nachhaltigkeit für sie ein Weg zur Selbst-Heilung ist und was sich in der Modeindustrie in den 00er-Jahren am deutlichsten verändert hat, erzählt Angela Lindvall im Interview. img_6029_v650x433 In den späten 90er- und frühen 00er-Jahren zählten Sie zu den größten Supermodels der Welt, seitdem hat sich ihre Karriere auch in andere Richtungen entwickelt. Wie sehen Sie sich selbst? Zu allererst bin ich immer noch das Mädchen aus Kansas City! Über all die unterschiedlichen Dinge, die ich seitdem gemacht habe, habe ich, ehrlich gesagt, den Überblick verloren. Heute spielt Yoga eine große Rolle in Ihrem Leben. Ja, vor ein paar Jahren bin ich zu einem Kandalini Yoga Teacher Training bei Yoga West in L.A. gegangen – aber nicht, um tatsächlich Yoga-Lehrer zu werden, sondern um meine eigene Praktik weiterzuentwickeln. Was hat Sie zu Beginn an Yoga fasziniert? Schon beim ersten Ausprobieren hatte ich unglaublich tiefgreifende Erfahrungen. Ich nenne mich selbst eine Rebel Yogi. Wieso das? Ich bin schon mein ganzes Leben eine Rebellin. Was Yoga angeht, habe ich einen sehr pragmatischen Ansatz – anders als diese Möchtegern-Spirituellen, die alles durch eine rosarote Brille sehen. Ich kann immer noch Bier trinken und mit Cowboys auf einer Ranch rumhängen – das wird immer ein Teil von mir sein. Welchen Teil von Ihnen füllt dann Yoga aus? Yoga hat irgendetwas in mir geweckt, das mein Bewusstsein für mich selbst erweitert hat. In der Mode tätig zu sein ist so konzentriert auf das Äußerliche – das habe ich stellenweise als sehr trist empfunden. img_5326_v650x433 Wobei das Äußere immer einen tieferen Hintergrund hat. Das stimmt. Vielleicht geht es mir da eher um das Frausein im Allgemeinen. Es gibt sehr viel Selbstkritik und Selbstbeurteilung. Ich habe gemerkt, dass es eigentlich mehr um diese Reise durch das Innere geht. Und dass man sich mehr mit dem wahren Ich verbinden sollte – dem erweiterten Ich. Das beinhaltet auch, die eigene Intuition viel weiter zu entwickeln und auf sie zu vertrauen. Sind Sie auch durch Yoga auf die Nachhaltigkeit-Thematik gestoßen? Nein, das ist etwas, was ich schon mache seit ich ungefähr 18 Jahre alt bin. Es kam mit meinem Umzug nach New York. Wie genau? Ich bin auf dem Land aufgewachsen, die Natur war etwas selbstverständliches für mich. In New York habe ich mich dann erstmals gefragt, wo der ganze Müll wohl herkommt und was für Zusatzstoffe eigentlich in unserem Essen und Wasser sind. Die Recherchen haben mich umgehauen! Die Erkenntnis ist die eine Sache – Engagement eine andere. Ich habe mich sehr aufgeregt und gefragt, warum das nicht auf der Titelseite der Zeitungen steht? Das ist ernst und die Leute wissen mehr über ihre Lieblings-Celebrities als sie über den Zustand des Planeten wissen. Bei meinen Recherchen habe ich all diese tollen Organisationen entdeckt, die sich für Veränderungen einsetzten. Und ich dachte: Wie wäre es, wenn wie die Pop-Kultur und die Medien als Mittel für mehr Bewusstsein benutzen würden? Für diese Zwecke gründeten Sie die Collage Foundation, die es heute nicht mehr gibt. Wieso? Die Ironie ist, dass meine eigene Welt über mir zusammenbrach, als ich versuchte, die Welt da draußen zu retten. Ich befand mich in einer Scheidung und meine Schwester starb. Nach Kalifornien zu ziehen war damals meine Rettung. Dort konnte ich mich auf den Weg der Self Care begeben. Den Planeten zu heilen, heißt in allererster Linie, sich selbst zu heilen – das sah ich damals ein. In Kalifornien herrscht generell ein hohes Bewusstsein für richtiges Essen und Gesundheit. img_5426_v650x433 Die Natur und der Lifestyle dort waren also die Gründe, die Sie nach L.A. gebracht haben? Die Natur war mit der wichtigste Aspekt. Für meine Modelkarriere hat es keinen Sinn gemacht, da wären New York oder eine der europäischen Großstädte viel sinnvoller gewesen. Mit Ihrem Umzug waren Sie eine Art Pionierin – L.A. ist in den letzten Jahren sehr beliebt geworden, auch in der Modewelt. Und Themen wie Nachhaltigkeit und Gesundheit haben sich gerade in den letzten zwei Jahren zu Trends entwickelt. Absolut. Damals haben die Leute häufig überhaupt nicht verstanden, wovon ich spreche. Es ist gut, dass sie jetzt auf diese Themen aufmerksam werden, sowohl auf sozialer, industrieller als auch technischer Ebene. Denn wie gesagt: Wenn wir auf uns selbst achten, achten wir auch auf den Planeten. Ich denke, dass wir die Zeit hinter uns haben, in der man denkt, mit dieser Creme oder diesem Outfit fühlt man sich besser und sieht besser aus. Wenn man sich letztendlich nicht mit dem tiefsten Inneren verbindet und auf sich selbst achtet, die Seele pflegt, kann man trotzdem unglücklich sein – und das sieht man dann auch. Welche nachhaltigen Entscheidungen treffen Sie im alltäglichen Leben? Ich baue mein eigenes Essen an, ziehe meine eigenen Hühner und Hasen auf. Mein Abfall wird kompostiert. Außerdem engagiere ich mich in meiner Gemeinde für mehr private Landwirtschaft. Ich konsumiere sehr bewusst und frage mich immer: Was brauche ich wirklich? Das ist – gerade was Mode angeht –essentiell. Ich versuche, hauptsächlich natürliche Fasern zu kaufen, umweltfreundliche Produkte. img_5618_v650x433 Gibt es nachhaltige Mode-Marken, die Sie unterstützen und empfehlen? Leider immer noch viel zu wenige – aber immerhin, vor zehn Jahren gab es praktisch nichts. Amour Vert finde ich toll, oder Lillian Raven. Ich bin im Founding Board von Clean by Design, einer Initiative, die vor Jahren von dem Natural Resources Defense Council ins Leben gerufen wurde und die Standards der Textilherstellung verbessern will. Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass es eine enorme Trennung zwischen dem Designer der Kleidung und der Herstellung der Textilien gibt – die Designer müssten darüber viel besser informiert werden. Was denken Sie über die nachhaltigen Kollektionen großer Händler, etwa die Conscious Collection von H&M? Das ist eine gute Sache. Wenn große Unternehmen nachhaltige Veränderungen einführen, hat das einen riesigen Einfluss – auch wenn es nur kleine Schritte sind. Wir sollten solche Unternehmen noch mehr dazu ermutigen! img_5726_v650x433 Sie selbst haben in der Vergangenheit auch schon mit nachhaltigen Unternehmen kooperiert, etwa Edun. Könnten Sie sich so etwas nochmals vorstellen? Besonders Lounge- und Homewear fände ich interessant. Gerade konzentriere ich mich aber voll und ganz auf das Yoga Retreat, das ich auf meiner Farm in Topanga Canyon veranstalte. Jetzt im August findet schon mein drittes statt. Ab September kooperiere ich dafür außerdem einem ayurvedischen Spa aus L.A., auch für Tages-Retreats. Wie genau kann man sich eines Ihrer Retreats vorstellen? Es ist eine Gruppe von maximal acht Personen, die für ein Wochenende zusammenkommt. Wir wachen auf, starten in den Tag, trinken Detox-Tee und grüne Säfte, machen Yoga. Dann kommen ein paar wirklich gute Body-Worker, die Massagen mit ätherischen Ölen und Rain Drop-Therapien machen. Außerdem gibt es Feuer-Zeremonien und hoffentlich bald auch Sweat Lodges. Um das Essen bei den Retreats kümmert sich Urban Remedy, ein wirklich tolles Unternehmen, das nach dem Prinzip "Essen ist Medizin" arbeitet. Zusätzlich gibt es Workshops im Bereich Ernährung und Wohlbefinden. Haben Sie sich dafür weitergebildet? Ja, ich bin auch noch mitten drin. Gerade mache ich ein Gesundheits-Coaching. Eigentlich habe ich es – genau wie Yoga – für mich selbst angefangen, aber mittlerweile gefällt mir die Idee, mein Wissen weiterzugeben. Ich denke daran, eine Nische zu füllen: Exklusives Health-Coaching für Leute aus der Modewelt, vielleicht insbesondere Models. img_5887_v650x433 img_6139_v650x433 Sie sind mit einigen ausgewählten Jobs auch immer noch Teil der Modewelt. Welche Veränderungen konnten Sie in den letzten Jahren beobachten? Ich war zu Beginn meiner Karriere noch Teil der Film-Ära, also vor der Digitalisierung. Die hat alles verändert! Alles! Der kreative Prozess, wie ein Editorial entsteht, ist heute so anders als damals – ein großer Teil der Magie ist verloren gegangen. Bevor man das Endergebnis sieht, wird schon optimiert, jeder steht nur vor dem Bildschirm. In mancher Hinsicht kann man dafür aber auch dankbar sein, denn es konnte früher viel länger dauern. Und man wusste nie, wo es hinführt. Was war bei Ihren ersten Jobs anders? Da gibt es eine schöne Geschichte: Einer meiner ersten Jobs war mit Juergen Teller, eine Produktion für die italienische VOGUE. Wir waren nur zu viert, er, sein Assistent, die Stylistin und ich. Wir sind einfach in einen Greyhound-Bus gestiegen und losgefahren. Damals konnte das Styling noch komplett frei gemixt werden – das ist heute auch anders. Sie sprechen die Full Look-Policy von vielen Labels an. Genau. Viele Designer wollen heute ihre Stücke nur noch Head-to-Toe fotografiert sehen. img_6484_v650x433 Wie stehen Sie zu Social Media? Es ist unglaublich, wie wir uns heute vernetzen und Dinge teilen können. Ich gehöre noch zu der letzten Generation, die ohne diese ganzen Geräte aufgewachsen ist. Teilweise macht mich das verrückt! Vor allem mache ich die Leute um mich herum verrückt, weil ich nicht mit meinem Handy in der Hand lebe. Auf Instagram haben Sie aber rund 20.000 Abonnenten. Wahrscheinlich bin ich aber ziemlich schlecht darin, mich darüber zu vermarkten. Mir ist Authentizität extrem wichtig. Ich vertagge so gut wie nie etwas. Man sieht mehr Hühner und Gemüse in meinem Feed als irgendetwas anderes! img_6672_v650x433
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